Projekt – Video … Einstreu für den Pferdestall

Holzpellets Einstreu - es sieht schon wirklich wohnlich aus für einen Pferdestall.
Holzpellets Einstreu – es sieht schon wirklich wohnlich aus für einen Pferdestall.

Eines der kniffligsten Themen in Sachen Pferdehaltung ist der Aufbau des Fußbodens in der Paddockbox bzw. dem Offenstall. Ich habe da vor knapp 18 Monaten mal was ausprobiert und bin vom Ergebnis immer noch ziemlich beeindruckt…

Ausgehend von diesem alten Artikel, den ich mir mal als Notiz geschrieben habe, noch bevor der Offenstall überhaupt gebaut wurde, bin ich über weitere Gedanken und Gedankensprünge irgendwann zu folgender Erkenntnis gekommen: Holzpellets!
Was der genaue Grund dafür war, weiß ich nicht mehr, aber ich war mir sicher, Holzpellets ausprobieren zu wollen. Also habe ich die eigens für den Offenstall bereits gekauften Gummimatten wieder veräußert, den Anhänger an den Kombi gekuppelt und bin ins Pelletswerk 2 Orte weiter gefahren und habe mir dort 2 Paletten gesackter Ware abgeholt.

Größe des Offenstalls, weitere Bedingungen und Anwendung der Pellets-Einstreu

Unser Offenstall ist recht klein. Wir haben eine Fläche von nur etwa 35m² – und das muss für die 3 Tiere reichen. Der Ausgangsbereich ist großzügig mit einem Schleppdach überdacht, sodass kein Schlagregen in den Stall hinein laufen kann. Auch sonst ist dieser hohe Punkt in unserem Gelände sehr trocken. Die einzige Flüssigkeit, die in den Stall gelangt, bringen die Pferde über Fell oder Blase mit.
Auf diese 35m² habe ich zunächst einmal testweise 35 Sack Holzpellets ausgelegt, die Säcke mit einem Messer oben aufgeschnitten und mit einem Wasserschlauch gewässert. In jeden Sack habe ich schätzungsweise 10L Wasser laufen lassen. Nach etwa einer halben Stunde sind die Pellets aufgegangen wie Popcorn und quollen förmlich aus den Säcken heraus. Die Säcke wurden entleert und die Pellets gleichmäßig mit einem Rechen verteilt. So ergab sich eine etwa 10cm hohe Schicht. Das war mir zu niedrig, deshalb wurden noch einmal auf gleiche Art 15 Sack nachgeschüttet. Nun war die Schicht um die 15cm dick.
Es braucht keiner Angst zu haben, dass irgendwas zu nass wird – die 10L Wasser reichen gerade mal, um die Pellets zerfallen zu lassen. Sie können wesentlich mehr Wasser speichern.

Toll im Stall! Da will man nicht mehr raus! ;-)
Toll im Stall! Da will man nicht mehr raus! 😉

Die Pferde sind ziemlich schnell in den für sie komplett neuen Stall hinein gegangen und haben natürlich erst einmal auf die Matte gepinkelt. Die ersten paar Wochen war der Stall die Pinkelstelle Nummer 1 auf dem Gelände. Heute machen sie das nicht mehr so exzessiv – aber im ersten Moment wurde, egal, wo sie gerade auf dem Gelände waren, der Weg in Kauf genommen, nur um im Stall pinkeln zu können. 😉
Die Einstreu musste ganz schön was abhalten

Abmisten, Geruch, Nässe, Staub und Langzeiterfahrungen

Über das abmisten will ich jetzt gar nicht so viele Worte verlieren – dazu gibts nachfolgendes Video:

Na gut – das Video zeigt nicht alles. Deshalb kommen jetzt hier noch einmal einige Gedanken zu unserer Erfahrung mit dieser Einstreu:

  • Im Stall seit Anfang Oktober 2017 und seitdem noch nicht ausgetauscht.
  • Tendenziell eher zu trocken, als zu feucht, deswegen wässern wir insbesondere im Sommer, damit sich angesiedelte Bakterien, die ja für die Zersetzung des Urins zuständig sind, auch schön wohl fühlen.
  • Nasse „Wet-Spots“ (kommen selten vor) einfach zum trocknen beiseite schaufeln, die entstandenen Löcher mit neuem Material füllen oder mit umliegenden Material zuziehen, das beiseite gelegte Material mit etwas EM (effektive Microorganismen) benetzen und dann wiederverwenden.
  • Gute Funktion ist ab 15cm Schichtstärke gegeben – hier ist so viel saugfähiges Material, dass sich der Boden selbst bei ständiger Benutzung ganz schnell wieder trocken zieht.
  • Geruch ist fast nie vorhanden – zumindest riecht es nicht nach Urin, meist riecht es nach Holz. Manchmal riecht es etwas „angezogen“, das kommt aber selten vor und lässt sich mit EM beheben. Es riecht praktisch niemals nach Ammoniak!
  • Schüttmenge ca. 1,5 Sack (ca. 22kg) pro m² Bodenfläche für die Erstbefüllung. Mit der Zeit bildet sich eine belastbare Matratze. Das Material verfilzt sich teilweise richtig, bleibt aber elastisch.
  • Nachfüllmenge ist stark von den Pferden und der Beschaffenheit des Eingangsbereiches abhängig. Ist es vor dem Stall matschig, wird natürlich mehr Material rein und raus getragen. Wir füllen so alle 3 Monate mal 5 – 8 Säcke nach.

Pflege und Kosten für eine Einstreu aus Holzpellets für den Offenstall

Man kann bei einer Fläche von etwa 12m² pro Pferd mit einer Erstbefüllung von ca. 18 Sack Holzpellets ausgehen. Das entspricht einem Gewicht von ca. 270kg.
Ein Sack der gezeigten „German Flames Premium“ Holzpellets kostet online um die 5,10 Euro bei Abnahme einer Palette (66 Sack). Wir haben die Pellets durch Abholung im Werk noch um einiges günstiger bekommen.
18 Sack zu 5,10 Euro macht in Summe 91,80 Euro für die Ersteinstreu (pro 12m² „Box“).
Gehen wir weiter davon aus, dass wir etwa 2 Sack alle 3 Monate nachfüllen, macht das pro Jahr 40,80 Euro.
Gehen wir davon aus, dass die Einstreu mindestens 2 Jahre genutzt wird (bei uns ist immer noch die Erstfüllung seit etwa 17 Monaten drin!), dann belaufen sich die Gesamtkosten für 2 Jahre auf

  • 91,80 Euro Ersteinstreu
  • 81,60 Euro Nachstreu
  • 20,00 Euro Pauschale für Wasser und EM
  • Summe: 193,40 Euro für 12m² und 2 Jahre

Das sieht erst einmal nach einer ordentlichen Summe aus, aber es sind auf den Monat herunter gerechnet 8,05 Euro! pro Pferd. Da kommt man mit Stroh keinesfalls günstiger – im Gegenteil. Hier hat man noch zusätzliche Kosten durch die ständige Entsorgung.

Die Pflege ist ganz simpel – reinschütten und vergessen, könnte man fast sagen. Gut, ganz so ist es nicht. Die tägliche Pflege beläuft sich auf das ablesen der Pferdeäppel. Das dauert in unserem Fall keine 5 Minuten für diesen Bereich. Für den kompletten Trail braucht meine Frau etwa 20 Minuten täglich (mit nebenbei Pferde knuddeln). Im Sommer kann die Einstreu etwas trocken werden. Einerseits durch die warme und trockene Luft und andererseits durch die spärliche Benutzung. Im Sommer gehen unsere Pferde fast nie in den Stall. Da muss es schon mal richtig stürmen und donnern und blitzen. Sonst sind die immer draußen. Ich sprühe dann die Einstreu mit dem Wasserschlauch wieder feucht, damit es nicht anfängt, zu stark zu stauben.
An Reaktionen bezüglich Staub merken wir bei unseren Pferden nichts. Keine geröteten Augen, kein Husten, kein Schniefen – alles in Ordnung. Bei Pferden, die mit Atemwegsproblemen zu tun haben, muss man drauf achten, dass die Einstreu nicht zu trocken wird. Wir haben einen Wasserhahn direkt 3m entfernt gelegen – deswegen ist der Aufwand für das wässern kein großes Ding.
Wichtig wäre noch, dass man nicht in die Versuchung kommt zu viel in der Einsteu herum zu graben! Lasst sie einfach liegen und lest nur die Äppel runter. Löcher kann man natürlich zu ziehen, aber zu tiefes Graben oder kratzen macht die Matratze wieder kaputt und das ist nicht Sinn der Sache.

Alternativen zur Einstreu aus Holzpellets

Es gibt mit Sicherheit Alternativen! Nur konnte ich die bislang noch nicht testen, denn der Boden hält immer noch super, sieht auch optisch keinesfalls aus, als würde er schon 17 Monate im Stall liegen. Es sieht immer noch aus, wie frisch rein gekippt! Deswegen kann ich auf Dinge wie Grünkompost, Waldboden, Strohpellets oder Miscanthus-Häcksel nicht weiter eingehen. Mir fehlt da einfach die Erfahrung. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist folgendes … nie wieder Stroh! Das macht echt unvergleichlich viel mehr Arbeit. Um die komplette Box jeden Tag zu misten, müsste ich mir eine Stunde Zeit nehmen + die Zeit, welche für die anschließende Entsorgung fällig wäre. Weiterhin gibt es bei uns kein ungespritztes Stroh, sodass ich es von vornherein als (ungeliebte) Alternative ausschließe.

Das ist ein recht langer Text geworden, deswegen will ich das Fazit entsprechend kurz gestalten:
Holzpellets Einstreu – ja oder nein? Ganz klar JA! 🙂
Bei Fragen, bemüht einfach die Kommentarfunktion. Bis bald – Jörg

6 Antworten auf „Projekt – Video … Einstreu für den Pferdestall“

  1. Wie sieht es denn aus wenn ein Pferd diese Einstreu frisst? Könnte dies gefährlich sein? Meine Stute frisst beispielsweise Leinstroh und Sägespäne, weswegen wir auf Stroh zurückgreifen mussten.

    1. Hallo Rita,
      falls Pferde diese Einstreu fressen sollten, kann man in jedem Fall von einer Gefahr ausgehen. Ich sage nur Kolik!
      Ich habe allerdings noch nie davon gehört, dass Pferde die auseinandergefallenen Pellets gefressen haben. Solange sie noch nicht zerfallen sind (was wir durch das bewässern ja innerhalb von Minuten erledigen), könnte es sein, dass sie davon naschen. Du schreibst, dass Deine Stute Sägespäne frisst. Nun – Sägespäne sind ja schon recht fein, sogar ziemlich nah an zerfallenen Holzpellets. Da wäre ich wachsam!
      Unser Cliff frisst Unmengen an Stroh. Deswegen und weil es schlecht sauber zu halten ist, haben wir die Pellets probiert.
      Bezüglich Holzfresserei schau doch mal hier – Pferde scheinen ein Grundbedürfnis nach Holz zu haben: https://sonneberg-pferde.de/2019/02/14/holzfresser-pferde-ein-kurzes-video-ueber-alternatives-rauhfutter/
      Viele Grüße – Jörg

  2. Holzpellets scheinen ja wirklich eine gute Alternative zum Stroh zu sein. Da werde ich mich wohl mal noch stärker mit befassen und schauen, was meine bessere Hälfte dazu sagt :). Sollte der Fall eintreten, dass wir ebenfalls auf Holzpellets zurückgreifen, werde ich ein Fazit dazu abgeben 😉

    Viele Grüße

  3. Hallo, wir betreiben einen ähnlichen Stall wie Ihr, welche EM nehmt Ihr her? Wir haben uns für die Waldbodeneinstreu entschieden, funktioniert genauso gut wie bei Euch, viele Grüße aus dem Süden Ronja

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