Fütterung … automatisiert – spart Zeit und beugt Krankheiten vor.

Eine große überdachte Heuraufe – nötigenfalls zeitgesteuert zugänglich – ist die beste Möglichkeit, seine Pferde auf dem Trail mit kleinem Aufwand gut zu versorgen.

Gutes Futter ist enorm wichtig für Pferde – Cliff sagt uns das jeden Tag! 😉
Durch gutes Futter und kluge Fütterung lassen sich die meisten, massenhaft auftretenden Pferdekrankheiten vermeiden. Wichtig ist, sich auch hier an der Natur zu orientieren und seine Konzepte regelmäßig kritisch zu hinterfragen und ggfls. zu verbessern.
Fütterung muss immer mit Bewegung und Futterpauen einhergehen. Ebenfalls muss dafür gesorgt werden, dass Futter höchster Qualität verfügbar ist.
Denken wir uns zurück in die Zeit freilebender Pferde und ihrer natürlichen Umgebung, dann sehen wir kleine flinke Tierchen, die sich in der kargen Steppe auf der Suche nach Nahrung andauernd bewegen. Sie laufen, finden etwas zu fressen, fressen und laufen dann wieder, um neues Futter zu finden. Diese Balance zwischen Bewegung und Nahrungsufnahme muss beachtet und bestmöglich nachgestellt werden. Das ist der Grund, warum ich in den meisten Stallanlagen einen 24h Zugang zum Heu komplett daneben finde. Ja, Pferde verbringen eine große Zeit des Tages damit, ihre Nahrung aufzunehmen. Aber nein, sie sollten nicht 24h lang fressen! Auch keine 16h, wie oft behauptet wird. Auch keine 12h.
Es gibt einen Spruch in der Oberlausitz: „Zu vill und zu wing is eehn Ding!“ (Zu viel und zu wenig ist gleich schlecht).
Frei übersetzt bedeutet es, dass Extreme, egal in welcher Richtung, immer schaden. Zu viel Futter ist ähnlich schädlich, wie zu wenig Futter. Man kann sich in jeder Situation des Lebens an dieses Sprichwort halten – es passt immer!

Riesengroßer Heu-Fan! Unser dauerhungriges Pony Cliff.

Fütterung planen – grundsätzliche Überlegungen.

Nahrungsaufnahme und Bewegung in Kombination, dass ist die Idee, welche sich die Natur für unsere Pferde ausgedacht hat. Ihre Verdauung ist darauf ausgelegt. Pferde brauchen energiearmes, strukturreiches Futter – viele Ballaststoffe und wenig Kohlenhydrate. Kann man ein Heu anbieten, das von einer Magerwiese stammt, reich an diversen Gräsern und Kräutern ist, dann ist es möglich, den Zugang zum Heu immer offen zu lassen. Diese Art der Nahrung ist genau das, was Pferde in Haltung bestmöglich versorgt und sie sättigt ohne (wichtig) sie überzuversorgen. Zu viele Nährstoffe stören den Stoffwechsel der Pferde massiv und sorgen für die Wohlstandserkrankungen EMS und ECS in Verbindung mit den brutal schmerzhaft auftretenden Symptomen wie Hufrehe, Hufgeschwüren oder Gelenkproblemen. Zu dicke Pferde sind dauerhaften Schmerzen ausgesetzt und man muss wissen, dass die meisten Pferde in Haltung in den Wohlstandsländern Europas zu dick sind.

Also wie sieht die Lösung aus?

Was also tun? Heunetze? Rationiert füttern? Fressbremse?
Vorsicht mit den scheinbar einfachen Lösungen!
Fressbremsen sind aus meiner Sicht tierschutzwidrig! Stellt Euch mal vor, Euren Salat durch einen Maulkorb fressen (Sorry, ich meine essen) zu müssen. Bei Heu ist das nahezu unmöglich, bei Gras mag es zumindest funktionieren, aber wer will den ganzen Tag mit so einem vollgesabberten, Gras-Spucke-Schleimding um den Kopf herum laufen? Das ist eine Qual – also warum sollten wir es den Pferden zumuten? Doofe Idee, weg damit!

Heunetze funktionieren unserer eigenen Erfahrung nicht zuverlässig als Fressbremse. Die Pferde bekommen ziemlich schnell heraus, wie sie am besten ans Heu kommen und entwickeln Bewegungen, um das zu erreichen. Bei frei hängenden kleineren Heusäcken sieht man dann Pferde, die den Sack gegen die eigene Brust drücken. Sie fressen dann in einer Haltung, die sehr an die Rollkur erinnert. Sie sind dabei auch nicht entspannt, sondern oft recht hektisch und wirken gestresst.
Ein großmaschiges Heunetz über einem Heuballen wirkt allenfalls gegen zu großen Verlust beim Heu fressen. Die Maschenweite von Netzen, welche die Nahrungsmenge wirklich begrenzen sind so klein, dass die Pferde beim fressen teilweise regelrecht sauer werden – es kommt einfach nix durch die Netze und das Ergebnis ist eine verzweifelte Gruppe Pferde, die „pickend“ wie die Hühner um die Heuraufe eilt, nur um irgendwo eine Stelle zu finden, an der es vielleicht leichter geht – das ist … purer Stress!

Von Hand rationiert füttern ist eine Möglichkeit. Das Verdauungssystem der Pferde ist allerdings darauf ausgelegt, oft beschäftigt zu werden. Pferdemägen entwickeln starke Magensäuren, die notwendig sind, um die wenig vorhandenen Nährstoffe in der natürlichen kargen Nahrung zu verwerten. Nahrung und Speichel puffert die Magensäure ab, sodass sie wieder verträglicher für die Magenschleimhäute wird. Zu lange Fresspausen lassen den Pferdemagen übersäuern und greifen die Magenschleimhaut an! Viele wissenschaftliche Berichte haben sich inzwischen auf eine regelmäßige maximale Fresspause von 4h geeinigt, sodass dies auch unbedingt einzuhalten ist, will man den Pferden ein schmerzhaftes Magengeschwür ersparen.
So, nun haben wir herausgefunden, dass zu viel von unserem energiereichen Futter genauso schädlich ist, wie zu lange Fresspausen.
Setzt man 4h maximale Pause an, bleiben bei einem 24h Tag 5 Mahlzeiten übrig, die eine Stunde dauern können – jetzt mal ganz einfach gehalten. Aber wisst Ihr was? Diese einfache Formel (1h Futter / 4h Pause) kann man tatsächlich zur Erstellung eines Fütterungsplanes nutzen! Nur wer will alle 5h aufstehen, um die nächste Portion vorzulegen?

Suboptimal und keine Dauerlösung! Cliff drückt das Netz seitlich gegen den Baum, um einfacher ans Heu zu kommen. Er belastete sein Genick über Stunden und Tage in immer der gleichen Haltung. Das kann nicht gesund sein!

Die zwei Möglichkeiten – perfekte Haltungsbedingungen oder Zeitsteuerung.

Auf einem idealen Stück Land hat man Platz – viel Platz! Man hat Hügel, einen Wald, Magerwiesen und eine große Herde, die sich gegenseitig in Bewegung bringt und den ganzen Platz ständig erkunden möchte. Das wäre ideales Pferdeland – diese Möglichkeit bleibt sehr wenigen Pferdehaltern vorbehalten. Die brauchen sich um die Fütterung auch keinen Kopf machen. Die Pferde tun automatisch genau das richtige.
Für alle anderen unter uns mit sehr kleinen Flächen und zugekauften Heu, dass durchaus auch mal viel zu energiereich sein kann, bietet sich eine zeitgesteuert zugängliche Heuraufe an. So können die Pferde frei fressen, ohne sich von einem Netz oder ähnlichem gestört zu fühlen. Ausgehend von den maximal 4h andauernden Fresspausen, gibt man den Pferden die Möglichkeit, 5x für eine Stunde ans Heu zu gehen. Man sollte das Fressverhalten und die Verfassung der Pferde dabei über längere Zeit beobachten. Werden sie zu schlank? Dann verlängert man die Fresszeiten ein wenig und verkürzt entsprechend die Pausen. Werden sie zu dick? Dann hat man zu energiereiches Futter und muss entsprechend energieärmeres Futter anbieten.

Zeitgesteuerte Fütterung – die Umsetzung.

Ich habe bereits vor Beginn des Bauprojektes einen Heuraufen-Bausatz gekauft. Es ist eine überdachte Raufe aus Lärchenholz, in die ein mittelgroßer Ballen passt und die ein großes Dach hat, um die Pferde beim fressen und auch das Heu immer gut trocken zu halten. Nebenbei frisst es sich an hellen Sommertagen natürlich im Schatten auch viel angenehmer.
Diese Heuraufe habe ich mit einem nach oben schließenden Schott ausgestattet. Das bedeutet, dass nach Ablauf der Fressdauer eine Wand von unten nach oben vor das Heu gezogen wird. Durch diese Bewegungsrichtung beim schließen von unten nach oben, schließt man Verletzungen aus!
In meiner vergangenen aktiven Zeit in diversen Facebook-Gruppen habe ich oft Lösungen gesehen, die potenziell gefährlich sind!

WICHTIG! Es darf keine Möglichkeit geben, dass das Pferd durch die Schließbewegung des Schotts in irgendeiner Art eingeklemmt werden kann! Das schließt aus meiner Sicht alle Lösungen aus, bei denen das Schott in offener Stellung über dem Kopf des Pferdes ist und welche beim schließen den Kopf des Pferdes einklemmen oder quetschen könnte. Man muss kein Schwarzmaler sein, um sich die Situation vorzustellen. Das Pferd will noch schnell einen Happen nehmen, während das Schott schließt und klemmt sich den Kopf oder Hals ein. Im schlimmsten Fall bricht es sich das Genick! Im besten Fall hat es Angst, an der Raufe zu fressen. Achtet immer auf viel Raum für die Pferde, um den Kopf nach oben und seitlich frei bewegen zu können, auch wenn die Raufe geschlossen wird!

Die Bewegung unserer Lösung wird über einen kräftigen Rohrmotor ausgeführt, wie er auch bei automatischen Toren oder Fensterrollos genutzt wird. Die Endlage der Bewegung wird über verstellbare Schalter am Motor selbst eingestellt. Die Steuerung kann ganz einfach durch eine Zeitschaltuhr für automatische Rollos realisiert werden. Alle elektrischen Kabel müssen immer vor Pferdebissen geschützt sein. 230V kann auch für ein schweres Pferd tödlich enden!
In unserem Fall habe ich die Steuerung über eine Siemens !Logo umgesetzt, da die restlichen Dinge in unserer Anlage (Licht, Heizung, Ventile für Wasser und Bewässerung usw.) ohnehin damit praktiziert werden. Somit kann ich Anpassungen auch von der warmen Stube aus über das LAN vornehmen und muss mich nicht draußen in der Kälte durch nervige Menüs drücken.

Die Befüllung der Raufe mache ich alle 4-6 Tage (je nach Hunger der Pferde und Gewicht des Heuballens) mit dem Traktor. Wir lassen uns kleine, ganz locker gewickelte Ballen „pressen“, die mit etwa 90cm Durchmesser und ca. 100kg Gewicht durchschnittlich 5 Tage halten. Die ganze Aktion kostet mich um die 10 – 15 Minuten, danach ist der Traktor wieder aufgeräumt, alles gesäubert und ich bin mit meinem Beitrag an der Pferdehaltung für die nächsten 5 Tage wieder fertig.

Hier kann man die Heuraufe in einem Video sehen: Projekt – Video … automatische Heuraufe für die Pferde

Und wenn die Pferde nun trotzdem zu dick werden?

Bewegung ist immer die beste Möglichkeit, um ein gesundes Gewicht zu halten. Die erste Maßnahmen ist die Animation zur Bewegung, wie ich die hier beschrieben habe: Die Wege … Bewegung hält die Pferde gesund.
Wenn man das ausgereizt hat und insbesondere leichtfuttrige Rassen immer noch zu dick werden, muss man bei Verkürzung der Fresszeiten zwingend für ein energiearmes und strukturreiches Ersatzfutter sorgen, damit die Pausen zwischen den Mahlzeiten nicht zu lang werden. Allgemein haben wir die Erfahrung gemacht, dass Fresszeiten unter einer Stunde bzw. viele kleine Intervalle den Pferden u.U. Stress verursacht. 7x 40 Minuten ließ die Pferde spürbar wuseliger wirken, als 5x1h.
Wenn verkürzt werden muss, dann würde ich auf 4 Intervalle zu je min. 1h gehen und den 5. Intervall entweder aus einer weiteren Raufe füttern oder (und einfacher) strukturreiche Nahrung ständig verfügbar halten. Und hier kommen wir zu einem Punkt, der in der heutigen Zeit allenfalls als „dumme Angewohnheit“ der Pferde bekannt ist. Ganz alte Pferdehalter kennen es aber noch – das Füttern von Holz und Laub!

Holz als Alternative zu Stroh!

Ich habe in diversen Berichten, Publikationen, Gruppen immer wieder einmal gelesen, dass bestimmte Zweige, Rinde, Blätter positive Wirkung auf die Pferde haben und dass davon ab und zu mal was ins Paddock gelegt werden kann, um sie zu beschäftigen.
Nach weiterer Recherche bezüglich ungiftiger Hölzer haben wir hin und wieder mal einen kleinen Ast Birke hingelegt und die Pferde hatten sichtlich Freude daran, den zu benagen. Irgendwann ist aus dem Zweig dann ein kleinerer Haufen geworden, dann ein größerer und schließlich habe ich aus der Baumschule und diversen Kleingärten anhängerweise Äste herangekarrt und die in den Trail gekippt.
Die Pferde fressen regelmäßig daran und inzwischen neben der Rinde auch Stück für Stück das Holz ansich. Immer in kleinen Mengen, über die man sich keine Gedanken machen muss. Nach jeder Heumahlzeit geht es zur Tränke und dann zu einem der Holzhaufen, der gemeinschaftlich bearbeitet wird. Als positive Nebeneffekte fielen uns nach einiger Zeit die sehr gut gleichmäßig abgenutzten Zähne auf. Weiterhin sind die Pferde weder hungrig, noch sind sie zu dick. Und gut gelaunt sind die fast immer (außer das Wetter ist doof, dann beschwert sich der Spanier manchmal).
Ich möchte an der Stelle gern auf einen Artikel im Blog verweisen: Holzfresser-Pferde … ein kurzes Video über alternatives Pferdefutter.

Pferde fressen gern Holz! Und das ist auch in Ordnung!

Und warum jetzt eigentlich kein Stroh? 2 Gründe! Cliff überfrisst sich leider auch an frei verfügbarem Stroh. Eine zweite zeitgesteuerte Raufe oder Handfütterung wäre nötig. Und ein weiterer wichtiger Grund … es gibt kaum vernünftiges ungespritztes Futterstroh! Stroh in großen Mengen kann auch eine Kolik auslösen. Um Heu damit „zu strecken“, ist es hervorragend geeignet. Aber wer so faul ist wie ich, und lieber kleine Ballen füttert, für den ist das nix! 😉

Hier weiter lesen:

Der Badeteich … Abkühlung an heißen Tagen und natürliche Tränke

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