Professor Pferd … Intelligenz bei Tieren – mit Video!

Es geht Euch bestimmt auch hin und wieder so – Eure Tiere machen ab und an Dinge, die völlig verrückt und eigentlich nicht möglich sind. Man tut es dann als Zufall ab.
Was aber, wenn diese Sachen ziemlich regelmäßig passieren oder sogar reproduzierbar sind? Dann kann es ja schwer immer wieder der gleiche Zufall sein – oder?

Eine für Mandy alltägliche Situation… Romi, der Muli, hat auch nach über 2 Jahren hin und wieder noch leichte Schwierigkeiten, Menschen dicht an sich heran zu lassen oder sich gar berühren zu lassen. Über die Zeit kann Mandy ihn nun ziemlich regelmäßig einfach so im vorbeigehen streicheln, ohne dass er dabei nervös wird. Geknutsche mag er ja sowieso. Unsicher wird er aber noch manchmal, wenn sie ihn putzen möchte oder das Halfter an- oder ausziehen. Wir haben ihn erstmal ziemlich lang in Ruhe gelassen. Er ist sehr neugierig und latscht uns immer hinterher, aber für bestimmte Sachen braucht es eben ein Halfter und den Strick und das ist für ihn noch ein wenig unheimlich.
Gut funktioniert es, wenn Mandy ihn im Platz begrenzt, also beispielsweise in eine Ecke manövriert und dann einen Strick spannt. Vor einem Jahr hat man richtig gemerkt, dass ihm das nicht recht war, er sich aber seinem Schicksal ergeben hat. Seit einiger Zeit scheint es, als wartet er nur darauf, weil es ihm die Entscheidung, stehen zu bleiben, einfach abnimmt. Er muss sich also nicht überwinden und das beruhigt ihn. Wo er im letzten Jahr noch gezittert hat, bleibt er jetzt deutlich entspannter und scheint manchmal regelrecht erleichtert, dass es ihm so einfach fällt.
Manchmal macht er aber auch ein Spiel draus. Wenn Mandy ihn in seine Ecke holen will, haut er ab und bleibt an der nächsten Kreuzung stehen. Er dreht sich dann um und scheint zu grinsen – schlägt manchmal mit dem Kopf, als würde er sie auslachen. 😉
Ab und zu werde ich dann von der Couch gescheucht, um seine „Fluchtwege“ zu versperren.

Gestern war wieder so ein Tag. Es ging von der Weide runter und Mandy wollte ihm sein Halfter ausziehen. Es ist seit Tagen immer der gleiche Ablauf, er weiß also ganz genau, was passieren soll.
Er stand an der nächsten Kreuzung, drehte um und grinste Mandy an. Die ließ sich natürlich nicht auf das Spielchen ein, streichelte stattdessen Gitano und sagte zu ihm: „Du musst mir mal wieder helfen – lass den Romi hier nicht vorbei.“
Dann ging sie hinter das Grinsemuli und trieb es Richtung Hofeingang – da wollte der kleine Spinner natürlich nicht hin, wollte an Gitano vorbei rennen und ab auf den Trail. Doch das hat er nicht zugelassen, hat unvermittelt den Weg dicht gemacht und ihm ganz deutlich gesagt, wo er hinzugehen hat. Und das hat Romi dann auch gemacht. Gitano ging dann wieder auf seine Ruhestelle und hat sich von Mandy das Lob geben lassen.

Professor Pferd: Gitano hilft beim Muli treiben

Die Szene wurde von den Überwachungskameras festgehalten und ich will sie hier mal zeigen. Das Verrückte an der Sache ist aber nicht die Tatsache, dass Gitano viele Sachen, die Mandy zu ihm sagt, tatsächlich zu verstehen scheint – das kann ja Zufall sein. Nein, das Verrückte ist, dass genau diese Situation nun schon mehrfach passiert ist! Schon sehr oft hat er Mandy dabei geholfen, Romi einzufangen. Was ihn dazu bringt, kann ich nicht genau sagen. Möglicherweise schließt er aus dem Kontext und aus Mandys Verhalten, was sie vor hat. Pferde sind ja hervorragende „Körpersprachen-Versteher“.
Möglicherweise kann er aber auch einzelne Worte konkret zuordnen und reimt sich den Rest zusammen.

Dass Pferde menschliche Sprache erkennen und einzelne Worte zuordnen können, das ist sicherlich schwer zu bestreiten. Es geht ja schon beim eigenen Namen des Pferdes los. Sie wissen genau, dass sie gemeint sind. Bestimmte Kunststückchen beizubringen, ist ja auch kein großes Problem – besonders, wenn da ein Futterlob im Spiel ist. Gitano zum Beispiel legt sich auf Kommando hin, rollt sich zur Seite, hebt Sachen auf, die Mandy fallen lässt und legt die wieder zurück in ihre Hände.
Aber sie scheinen eben auch recht komplexe Sachen zu erfassen und dazu kleinere Lösungsstrategien erarbeiten zu können. Und das widerspricht der Ansicht, dass Pferde ausschließlich im hier und jetzt leben und nicht in die Zukunft (oder überhaupt) „denken“. Ich bin da anderer Meinung. Nur weil sie sich nicht ausdrücken, wie ein Mensch, heißt es ja noch lange nicht, dass sie nicht denken!

Ich erinnere mich an eine Szene über Wildpferde, die ich mal irgendwo gelesen habe. Jemand beschrieb das Verhalten einer Herde in Wildnis und wie vielfältig die Interaktionen der Pferde zueinander waren und wie unterschiedlich auf gleich erscheinende Ereignisse von ein und demselben Tier an unterschiedlichen Tagen reagiert wurde.
Es ging in der konkreten Szene darum, dass ein Hengst am Abend seine Herde gerufen hatte, damit sie sich in den schützenden Wald begeben konnten. Der Hengst rief und es passierte augenscheinlich nichts. Die Pferde fraßen einfach weiter.
Nach 30 Minuten rief der Hengst, nachdem er die ganze Zeit seine Herde beobachtet hatte, ein zweites Mal und sofort setzten sich alle Pferde in Bewegung, um in den Wald zu gehen. Es klingt vielleicht weit hergeholt, aber ich meine, dass dahinter ein komplexes Denkmuster steckt.
Der Hengst ruft – die Pferde sind noch nicht satt – er beobachtet seine Herde so lange, bis er der Meinung ist, dass sie satt sein könnte – ruft ein zweites Mal und diesmal reagieren alle sofort. Das können nicht einfach nur Instinkte oder Reflexe sein. Da müssen konkrete Gedanken im Spiel sein.
Ähnliches ließt man auch über diverse Leitstuten und die soziale Interaktion der Pferde im Allgemeinen. Freundschaften zwischen Tieren, Rücksicht auf Schwächere, Teilen von Nahrung, der Kampf einzelner Tiere gegen Jäger, um anderen Tieren der Herde die Flucht zu ermöglichen, Trost suchen und spenden, trauern – all dass sind Dinge, die immer wieder beobachtet wurden und werden und die dagegen sprechen, dass es ausschließlich um die Einhaltung der Nahrungskette, Reproduktion, Auge um Auge oder das Überleben des Stärksten geht. Da scheint mehr dahinter zu stecken und möglicherweise ist das auch so vorgesehen, da es die Tiere befähigt, auf sich ändernde Situationen zu reagieren. Und die besonders schlauen Exemplare sind womöglich dafür verantwortlich, dass diverse Tierarten schon hunderttausende Jahre diesen Planeten bewohnen und weiter bewohnen werden.

Was meint Ihr dazu? Hattet Ihr schonmal Erlebnisse dieser Art mit Euren Tieren? Traut Ihr ihnen komplexe Gedankengänge und Problembewältigungsstrategien zu oder meint Ihr, dass da zu viel rein interpretiert wird?
Bin gespannt auf Eure Kommentare! Grüße – Jörg

Eine Antwort auf „Professor Pferd … Intelligenz bei Tieren – mit Video!“

  1. Hallo Jörg , so etwas erlebe ich mit meinem Shettymädchen Neela immer wieder.Beispiel : Die Ponys sollen nach oben in den Nachtpaddock – alle gehen von allein auf Pfiff , nur das neue Shetty bleibt ganz hinten auf dem Trail stehen und rührt keinen Huf. Sage ich zu Neela : geh mal raus und hol Jojo rein ( eigentlich mehr so als Joke) .Was macht mein Neelchen ? Rennt nach hinten und treibt Jojo Richtung Paddock 😅.Das hat sich schon mehrere Male ohne Worte wiederholt und inzwischen kommt Jojo schon von selbst , wenn Neela auf ihn zukommt.Da steht man dann doch etwas sprachlos staunend.Bei Neela hab ich wirklich oft das Gefühl , dass sie Worte sinngemäss versteht.

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